Viele Kurven. Gefährlich wurde es geradeaus.
Montag
Um 08.00 sollte das «Antrittsverlesen» im Bad Bubendorf stattfinden. So fuhren wir von Sissach her kommend in Richtung Liestal und bewunderten einen schönen Regenbogen. Ein gutes Omen? Schaumermal. Nach dem Abzweiger in Richtung Bubendorf kommt uns eine schöne RoadKing entgegen, mit freundlich winkendem Fahrer. Im Bad stellt sich dann heraus, dass Razor sein Gilet zuhause vergessen hat. So fährt er schon zu Beginn eine kleine Zusatzrunde.
Und überhaupt: Wir lernen uns nochmals neu kennen: LX muss noch immer zwischendurch mal müssen. Blades Schaltgestänge muss noch gerichtet werden und Iceman hat vergessen den Anlasser zu wechseln. Somit ist bei jedem Halt, wo es nicht abwärts geht, schieben angesagt. Bei teilweise hohen Temperaturen.
Der Präsident offeriert Kaffi-Gipfeli und bei der Wegfahrt fällt leichter Nieselregen, als wir uns hinter RoadCaptain Skip mit Reni aufkolonnieren. Gleich 11 Harleys wecken die Langschläfer. Auf zwei weiteren Dickschiffen haben Katja und Susi Platz genommen. Mit dem Oberen Hauenstein (734 M.ü.M.) befahren wir einen ersten Pass.
Zwischendurch kürzen wir über Autobahnabschnitte ab. Im Bieler Seeland und im Fribourgischen lernen wir sehr schöne Strassen kennen. Grösstenteils verkehrsfrei und bei inzwischen schönstem Sonnenschein. Somit halten wir unterwegs mal inne, um uns Tenüerleichterung zu verschaffen. An diesem Tag geht es noch bis auf 31.5 Grad. An der Raststätte Greyerz wird Flüssigkeit nachgetankt.
Am Genfersee, kurz nachdem sich unsere Gruppe dreigeteilt hatte gibt es ein feines Mittagessen im La Terrasse du Port in 1897 Le Bouveret.
In Thonon-les-Bains besuchen wir die Mairie auf deren Vorplatz ein grosses Start-Medaillon der Route des Grands Alpes eingelassen ist. Jetzt geht es obsig und wir erklimmen den Col des Gets (1172 M.ü.M.), gefolgt vom Col de la Colombière (1613 M.ü.M.). Im Hôtel Le Chamois in 74220 La Clusaz lockt das Bad und/oder wahlweise ein kühles Bier. Am Abend geniessen wir ein sehr feines Nachtessen im Les 2 Mules. Die Ankündigung, dass am Dienstag die Abfahrt auf 08.45 vorverlegt wird lässt den Ehrenpräsidenten leiden, weswegen er den Schlummi sausen lässt.
| Track length: | 334.7 km |
| Moving time: | 8:51 |
| Average speed: | 37.78 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Dienstag
Ein schlechter Start in den Tag der Königsetappe: Vape hat ein medizinisches Problem. Wie sich dann später herausstellt, muss er die Tour abbrechen und zusammen mit Katja die Heimreise antreten. Dafür fahren beinahe den ganzen Tag Holländer mit, respektive vor und hinter uns. Sie sind unterwegs auf dem Carbage Run. Mehr dazu über den Link. Der Start verzögert sich, weil wir das medizinische Update abwarten wollen. Schliesslich bleibt der Präsident sowie Tess zurück bis Klarheit herrscht, um in der Folge wieder zur Gruppe zu stossen.
Wir entern wir den Col des Aravis (1486 M.ü.M.) und erblicken in der Ferne das Panorama in Richtung Mont Blanc. Es folgt der Col des Saisies (1657 M.ü.M.). Über schöne Kurven erreichen wir den Col de Méraillet (1605 M.ü.M.) und folgen dem türkisfarbenen Stausee Lac de Roselend im Beaufort-Massiv. Wie vor Jahren schon legen wir einen Trinkstop ein in der Bar Etoiles des Neiges. LX bestellt dort einen vermeintlich alkoholfreien sauren Most. Susi’s Augen wurden gleich etwas grösser. Der RoadCaptain drängt – wir haben heute noch einiges vor uns. So fahren wir hoch zum Cormet de Roselend (1968 M.ü.M.). Die Strasse nach Bourg-Saint-Maurice bietet zuweilen schönen Kurvenswing. Bald durchfahren wir Val-d’Isère. Im Sommer eher eine Zumutung für die Augen. Belohnt werden wir mit dem Col de l’Iseran (2764 M.ü.M.), dem höchsten Punkt unserer Reise. Das nahe gelegenen Restaurant La Cascade, 73480 Bonneval-sur-Arc erreichen wir bei leichtem Nieseln. Da kommt ein formidables Essen genau richtig. Der Koch dort stammt aus Colmar und hat uns einen Digestiv spendiert. So härzig, aber nicht alle nahmen das Angebot an. Anschliessend geht es hoch zum kurvenreichen Col du Télégraphe (1566 M.ü.M.), der Ouverture zum Galibier. Unterwegs treffen wir tatsächlich auf einen Einradfahrer, welcher zügig hochfährt. Respekt! Auf dem Télégraphe treffen wir wiederholt auf die Holländer, wir geniessen einen kühlen Drink, oder einen Kaffée. Kurz danach überqueren wir den Le Col (1522 M.ü.M.) bevor wir Valloire erreichen. Noch vor dem Galibier queren wir den Collet du Plan Nicolas (2406 M.ü.M.) welcher wenige Meter neben der D902 liegt. Nach dem Col du Galibier (2642 M.ü.M.) fahren wir durch wilde steinig-felsige Gegenden. Den Col du Lautaret (2057 M.ü.M.) nehmen wir auch noch mit, bevor wir unser Tagesziel, das Grand Hôtel NUXE in 05330 Saint-Chaffrey ansteuern. Ebendort gibt es Raclette für alle, ab einem speziellen Raclette-Ofen.
| Track length: | 277.8 km |
| Moving time: | 8:58 |
| Average speed: | 30.93 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Mittwoch
Wir starten kühl und leicht feucht in den Tag und schon bald wird Regenzeugs montiert. Über den Tag aber auch wieder demontiert, um wieder remontiert zu werden. Also ziemlich on/off und vor dem Mittagshalt durchschneiden wir auch dicke Wolken/Nebelwände.
Auf dem heutigen Programm stehen die folgenden 11 Pässe: Col d'Izoard (2360 M.ü.M.), Col de la Platrière (2220 M.ü.M.), Col de l’Ange Gardien (1347 M.ü.M.), Col de Vars (2108 M.ü.M.), Col de la Cayolle (2326 M.ü.M.), Col de Valberg (1671 M.ü.M.), Col de la Couillole (1678 M.ü.M.), Col Saint-Martin/La Colmiane (1503 M.ü.M.), Col de Turini (1604 M.ü.M.), Col d’Erc (1451 M.ü.M.), Col de Castillon (706 M.ü.M.).
Nach dem Izoard passieren wir die Casse Déserte wo die Landschaft beinahe ins Wüstenhafte kippt mit bizarren Felsformationen. Auf dem Cayolle treffen die Départemente Alpes Hte. Provence und Alpes Maritimes aufeinander. Ein sehr schöner, einsamer Pass mit geschwungenen Kurven, schmal auch und in ursprünglicher Natur. Wir waren praktisch alleine unterwegs.
Zwischen dem Cayolle und dem Valberg verpflegen wir in Guillaumes im Comptoir du Colorado direkt neben der musikalischen Brunnenanlage Campanile. Die Gemeinde Guillaumes beschreibt sie als Kunstwerk mit zahlreichen Symbolen aus der örtlichen Geschichte: Savoyer Kreuz, französische Lilie, die an den „Coupo Santo“ angelehnte Schale und ein Carillon. Die drei Glocken ganz oben, erinnern an die historischen Kämpfe der Einwohner von Guillaumes um ihre Unabhängigkeit. Und das Interessanteste: Das Ding ist tatsächlich musikalisch. Es spielt verschiedene Melodien, die je nach Jahreszeit wechseln; jeden Tag erklingt der „Coupo Santo“, die berühmte provenzalische Hymne.
Jetzt folgen wir der D28 auf den Valberg. Über den Couillole geht’s nach Roubion. Das mittelalterliche Dorf klebt förmlich am Hang. Nach Saint-Sauveur-sur-Tinée muss sich Blade in Richtung Nizza verabschieden. Die Schalterei an seiner RoadKing will nicht mehr provisorisch geflickt werden. Wir sehen uns in Menton wieder. Und wenig später mach wir Bekanntschaft mit «Verglas de l’été»! Sommer-Eis. Unvermittelt verabschiedet sich das Vorderrad von Razor’s RoadKing. Geradeaus, keine Lenkbewegung, keine Bremse, ca. 50Km/h… Zack. Er steht schon wieder, derweil sich sein Moped verselbständigt, in die Leitplanke rutscht, sich aufrichtet und alleine das Weite sucht, bis es zwischen Autos über die Gegenfahrbahn in die Steinmauer crasht. Er ist wohlauf, seine RoadKing zerstört. Ein freundlicher Handwerker bietet Hilfe an und erklärt diese berühmte Strecke. Er ist auch Feuerwehrmann und alarmiert die Polizei (… welche wir nie zu Gesicht bekommen). Auf dieser Strecke verunfallen jede Woche Menschen auf dem Sommer-Eis (lange Trockenheit, dann leichter Regen in Kombination mit dem speziellen Strassenbelag). Wie ging es weiter? Kurz: Von 14.30 Uhr bis 23.00 Uhr warten auf Abschleppdienst. Hike bleibt zurück. Ein Auto macht noch eine 360-Grad-Pirouette. Nach Auflad noch ein anderes Auto aufladen, Hike’s E-Glide will dann auch nicht mehr, mit Taxi von Nizza nach Menton, wo die beiden um 02.45 im geplanten Hotel eintreffen.
Für die nun kleinere Gruppe stehen noch zwei weitere Pässe an und auf dem Weg nach Sospel rutscht auch noch das Hinterrad von Tess’s RoadGlide weg. Diesmal kein Maschinenschaden, dafür ein sehr farbiger «Dolggen» an Hüfte und… Sie kann aber mit uns weiterfahren. Später, wie geplant erreichen wir in Menton das Ende der Route des Grandes Alpes und unser Hotel La dolce Vita. Rascher Zimmerbezug und los an den Strand zum reservierten Abendessen. Ebendort erfahren wir jedoch, dass nichts reserviert ist und das Restaurant eh um 21.00 schliesst. Wir haben Hunger! Schräg vis-à-vis ein Italiener: Im Ristorante Pizza La Mia Passione werden wir herzlich-italienisch-begeistert empfangen und können ganz gemütlich àla Carte verpflegen. Und fein war es obendrein. Dies bestätigt uns auch Blade, welcher mit dem Taxi ebenfalls in Menton gelandet ist. Ein anspruchsvoller und heftiger Tag geht zu Ende.
| Track length: | 316.6 km |
| Moving time: | 11:22 |
| Average speed: | 27.81 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Donnerstag
10 kleine Negerlein… nein nicht so schlimm! Am Morgen treffen wir Razor und Hike. Die beiden werden zusammen mit Blade vom Taxi abgeholt. Nach Nizza. In Nizza steht fest, dass die drei Bikes nicht mehr fahrbar sind. Razor und Hike fahren mit dem Mietwagen nach Basel-Mulhouse zurück. Blade muss warten, bis Ersatzteil kommt und er am Freitag direkt nach Zeneggen fahren kann.
Wir starten die Etappe entlang des Mittelmeers mit entsprechend Stop and Go. Das TomTom zeigt für heute 220 Km und über 7 Stunden Fahrzeit. Uns wird rasch klar, weshalb…
Hinter San Remo hat unser RoadCaptain ein Einsehen mit uns und steuert die Autobahn an. Dort haben wir zumindest kühlenden Fahrtwind und zwischendurch noch immer schöne Ausblicke auf das Mittelmeer. Diese Beschleunigung hat zur Folge, dass wir pünktlich bei unserer Mittagsbeiz in Albisola landen. Das Restaurant Da Pier ist ziemlich versteckt aber wohl ein Geheimtipp. Wir verpflegen – einmal mehr – superfein.
Am Nachmittag stehen noch etwas über 2 Stunden Fahrt an. So erreichen wir das spezielle Hotel Locanda Cossetti, eine Ranch im Agriturismus-Stil frühzeitig, auch über schmalste Wege bis fast Offroad und entspannen bei einem Drink, im Pool oder einfach relaxend. Das Abendessen, ein Traum. In der Ranch Vinery genehmigen wir uns zum Essen einen Barolo im Magnumformat. LX geniesst eine Grissini-Zigarre. Schliesslich verabschieden wir uns in die sehr schönen und geräumigen Zimmer. Und träumen wohl von Pferden…
| Track length: | 221.9 km |
| Moving time: | 7:08 |
| Average speed: | 31.05 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Freitag
Auch heute verliesst LX das Wetterbulletin. Es sieht gut aus für den Tripp ins Wallis! Wir starten mit 7 Maschinen und 7 kommen auch ins Ziel.
Bald schon folgen Geradeauspartien im Piemont durch die Po-Ebene. Geschickt lassen wir Turin links und Mailand rechts liegen. Einen Kaffeehalt schalten wir in der Bar Gloria 1959 in Gattinara dazwischen. Dort gibt es eine «Schoggi» in welcher der Löffel senkrecht stecken bleibt. Gut gegen Durchfall, oder so. Anschliessend durch industrialisierte flache Gegenden mit bekannten Firmen wie z.B. YKK oder Benetton. Ab Lago d’Orta wird es wieder hübscher für Biker.
Schliesslich landen wir bei Verbania in einem famosen Strandrestaurant, dem Piccolo Lago am Lago di Mergozzo. Vom Allerfeinsten! Frische Steinpilze zum Beispiel. Hier wird eine Haute Cuisine zelebriert, gepaart mit einer prächtigen Aussicht auf den Lago.
Über Domodossola entern wir den Simplon (2005 M.ü.M). Mit Baustellen mit längeren Wartezeiten. Und heiss ist es nun auch wieder. In Visp verabschieden wir Reni, welche am Folgetag in Gelterkinden einen Tennis-Final spielen darf, welcher dann auch noch gewonnen wird.
Dafür stösst Margot beim Nachtessen im Hotel Alpenblick in Zeneggen mit Vierbeiner Kennedy hinzu und später am Abend kommt Blade direkt von Nizza mit nunmehr geflicktem Bike. Die Aussicht in die Walliser Berge und Täler von hier oben ist schlicht einmalig.
| Track length: | 281.7 km |
| Moving time: | 7:37 |
| Average speed: | 36.92 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Samstag
Der heutige letzte Reisetag beginnt mit einem Blick zu den verschneiten Gipfeln und der Bärgjipiste in Grächen, wo Bird viele Skiferien verbracht hatte.
Bei bestem Wetter sind wir ins Goms gefahren, haben dann auf dem Grimsel (2164 M.ü.M.) einen kurzen Ovi-Stopp eingelegt, weiter über den Brünig (1008 M.ü.M.) (verkehrsreich, langsam, somit anspruchsvoll) und dann auf den Glaubenberg (1543 M.ü.M.), wo wir uns im Langis verpflegt haben.
Langsam näherten wir uns über die Schafmatt (812 M.ü.M.) dem Baselbiet. Skip hat eine kurzweilige Route durch‘s Entlebuech gefunden und wir konnten, um eine reiche Erfahrung reicher, auf dem Wittschbg in unserem Stammlokal einkehren.
| Track length: | 252.4 km |
| Moving time: | 8:40 |
| Average speed: | 29.10 km/h |
| Total ascent: | 0 m |
| Total descent: | 0 m |
Schön, dass sich dort auch die verlorenen Schafe wieder zu uns gesellten. Wir sind alle gesund zuhause angekommen, blicken aber nichtsdestotrotz auf eine durchzogene Woche zurück.
In der ersten Hälfte waren wir etwas vom Pech verfolgt, die zweite Hälfte war dann entspannter.
Die Route des Grandes Alpes ist ein Muss für jeden Biker. Die Fülle an Pässen, die da in den französischen Alpen auf Entdecker warten, ist einmalig. Wir selbst haben in diesen 6 Tagen 29 davon befahren. Ein bisschen geübt im Serpentinenfahren sollte man schon sein, vorab mit grossen, schweren Maschinen. Die Passstrassen sind oft eng und nicht unbedingt in bestem Zustand; dazu kommen auch ungeschützte Strassenborde, wo es ziemlich tief runtergeht.
Ein Bilderbogen ist hochgeladen. Ein prächtiges Video (40 Min.; danke Bird!) ist hier abrufbar.
